Fax über IP: Faxgerät am Router oder VoIP-Anschluss betreiben

Die Konfigurationsanleitung, damit ein Faxgerät hinter Glasfaser, DSL, Kabel oder einer IP-Telefonanlage zuverlässig sendet.

Ein Faxgerät funktioniert am Router oder VoIP-Anschluss, wenn sein Anruf unterwegs weder komprimiert noch verzögert wird. Dafür gibt es zwei Verfahren: G.711-Passthrough, das das Signal wie unkomprimierte Sprache überträgt, und T.38, das es in Daten umwandelt. Begrenzen Sie das Gerät auf 9.600 bit/s, schalten Sie ECM bei G.711 ab und testen Sie mit mehreren Seiten.

Das Wichtigste

  • Während der gesamten Übertragung sprechen zwei Modems miteinander: Alles, was den Ton verfälscht (Kompression, Paketverlust, Jitter), bricht den Verbindungsaufbau oder die laufende Seite ab.

  • T.38 ist das für IP-Netze vorgesehene Verfahren; G.711-Passthrough klappt ebenfalls, aber nur bei sauberer Verbindung ohne Transcodierung.

  • Startwerte am Gerät: V.29 mit 9.600 bit/s, V.34 (Super G3) aus, ECM aus, solange die Leitung kein T.38 nutzt.

  • Ein einseitiger Test beweist nichts: Prüfen Sie mit einem mehrseitigen Dokument zu verschiedenen Tageszeiten.

Warum Faxe an IP-Anschlüssen scheitern

Am analogen oder ISDN-Anschluss hatte das Faxgerät eine durchgehende Leitung mit konstanter Laufzeit. Hinter dem Router wird das Signal digitalisiert, in Pakete von 10 bis 30 Millisekunden zerlegt und über ein geteiltes Datennetz geschickt. Das Faxprotokoll T.30 ist dafür nicht gebaut: Es erwartet bestimmte Töne zu bestimmten Zeitpunkten.

Drei Effekte erklären die meisten Abbrüche. Komprimierende Codecs (G.729, Opus, AMR) sind auf Sprache optimiert und verwerfen genau die Details, in denen das Modem seine Daten codiert. Jitter, also unregelmäßig eintreffende Pakete, zwingt den Router, den Datenstrom zu dehnen oder zu kappen. Und ein einziges verlorenes 20-ms-Paket im falschen Moment kann eine Abtastzeile zerstören.

Bei G.711 verschlimmert ECM (Error Correction Mode) die Lage oft: Jeder beschädigte Block wird neu angefordert, die Wiederholungen häufen sich, die Sitzung überschreitet ihre Zeitgrenzen und das Gerät legt auf. Ohne ECM führt ein Verlust schlimmstenfalls zu einem weißen Streifen, die Seite bleibt lesbar.

T.38 oder G.711-Passthrough: beide Verfahren im Vergleich

Router, Adapter oder Gateway legen das Verfahren beim Verbindungsaufbau fest.

T.38 oder G.711-Passthrough: beide Verfahren im Vergleich
KriteriumT.38 (Fax Relay)G.711-Passthrough
FunktionsweiseDas Faxsignal wird am Eingang ins IP-Netz demoduliert, als Daten (UDPTL) gesendet und am Ziel wieder moduliert.Der Modemton wird unverändert übertragen, wie ein unkomprimiertes Telefonat.
PaketverlustGut verkraftet: Jedes Paket wiederholt die vorherigen (Redundanz).Kaum verkraftet: Ein Verlust kann eine Zeile beschädigen oder die Seite abbrechen.
JitterGeringer Einfluss, der Modemtakt wird lokal neu erzeugt.Starker Einfluss; ein fester Jitterpuffer hilft deutlich.
BandbreiteGering, steigt mit der gewählten Redundanzstufe.Rund 64 kbit/s Audio je Richtung plus IP-Header, also 80 bis 90 kbit/s.
VoraussetzungenRouter oder ATA, Anbieter und Gegenstelle müssen den Wechsel auf T.38 (SIP-Re-INVITE) akzeptieren.G.711 durchgehend (A-law in Europa), ohne Transcodierung.
Empfohlene GeschwindigkeitBis 14.400 bit/s (V.17) klappt oft; V.34 meiden.9.600 bit/s (V.29), ECM aus.

Die Einstellungen an Gerät und Router

Die Menübezeichnungen unterscheiden sich je nach Modell; die Werte sind ein Ausgangspunkt.

Modemgeschwindigkeit
Begrenzen Sie das Senden auf V.29, also 9.600 bit/s. Wer mit 14.400 bit/s startet, erlebt über IP mehr Abbrüche.
Super G3 / V.34
Abschalten: Mit 33.600 bit/s braucht V.34 eine nahezu perfekte Leitung.
ECM
Bei G.711 aus. Läuft T.38 zuverlässig, wieder einschalten und vergleichen.
Anschluss am Router
Analoge Buchse des Routers (oft FON oder TAE beschriftet), direkt, ohne Verlängerung oder alten Splitter. Wenn die Oberfläche es erlaubt, das angeschlossene Gerät als Fax anmelden.
Codec und Sprachfunktionen
Wenn Router oder ATA es zulassen: G.711 A-law bevorzugt, Sprachpausenerkennung, Komfortrauschen und Echounterdrückung aus.
Jitterpuffer
Ein fester Puffer von 60 bis 100 ms statt eines adaptiven, der seine Größe mitten im Anruf ändert.

ATA, Gateway oder Faxserver: welche Hardware

In Deutschland laufen Festnetzanschlüsse inzwischen weitgehend über IP, ob bei der Telekom, bei Vodafone über DSL oder Kabel oder bei 1&1. Das Faxgerät hängt deshalb am Router des Anbieters oder an einer eigenen Fritz!Box. Viele Fritz!Box-Modelle bieten in den Telefonie-Einstellungen eine Option für T.38; ob sie vorhanden ist und was der Anbieter dahinter unterstützt, hängt von Modell, FRITZ!OS-Version und Tarif ab. Prüfen Sie die Oberfläche Ihres Routers und fragen Sie beim Anbieter nach, bevor Sie Hardware kaufen.

Ein ATA (analoger Telefonadapter) macht aus einer analogen Buchse ein SIP-Konto, nützlich, wenn ein Unternehmen über einen VoIP-Anbieter oder eine IP-Telefonanlage telefoniert. Wählen Sie ein T.38-fähiges Modell und klären Sie, ob der SIP-Trunk T.38 ebenfalls annimmt; sonst fällt der Anruf auf G.711 zurück.

Ein Gateway mit mehreren FXS-Ports hält mehrere Faxgeräte an einem Standort in Betrieb. Ein Faxserver ersetzt die Geräte: Er stellt eingehende Faxe als PDF in Postfächer und sendet vom Arbeitsplatz aus, braucht aber einen T.38-Trunk und jemanden, der ihn betreut.

Die Einrichtung prüfen, bevor man ihr vertraut

Prüfen Sie zuerst, ob ein Telefon an derselben Buchse ein Freizeichen bekommt und einen Festnetzanschluss erreicht. Wenn nicht, liegt das Problem am Anschluss, nicht am Fax.

Senden Sie dann ein Dokument mit fünf bis zehn Seiten, gemischt aus Kleingedrucktem und dunklen Flächen, an jemanden, der Ihnen das Ergebnis zurückmeldet. Wiederholen Sie das zu drei Zeitpunkten, darunter abends, wenn die Leitung am stärksten ausgelastet ist, und lassen Sie sich zum Empfangstest ein Fax zurückschicken.

Heben Sie die Sendeberichte auf: Ein Gerät, das immer wieder auf 4.800 bit/s zurückfällt, zeigt eine wackelige Leitung an, auch wenn die Seiten ankommen. Bleiben die Fehler, eröffnen Sie beim Anbieter eine Störungsmeldung und fragen Sie, ob Ihr Anschluss T.38 unterstützt.

Wann ein Online-Faxdienst die bessere Wahl ist

Ein Faxgerät am Router lohnt sich, wenn Sie regelmäßig Faxe unter einer bekannten Nummer empfangen. Wenn Sie nur ein paarmal im Monat senden, kosten Einrichtung und Pflege schnell mehr Mühe als das Gerät wert ist.

Ein Online-Dienst nimmt Ihnen dann die gesamte IP-Strecke ab: Sie laden das PDF im Browser hoch, und der Dienst ruft das Faxgerät des Empfängers an. FaxTelecom arbeitet so, ohne Konto, zu Festnetzanschlüssen in sieben Ländern, darunter Deutschland. Der Dienst vergibt keine Nummer und empfängt nichts; er ergänzt also eine Empfangsleitung, ersetzt sie aber nicht.

PDF direkt im Browser faxen

Häufige Fragen zu Fax über IP

Funktioniert mein Faxgerät an einem Glasfaseranschluss?
Ja: Die Glasfaser selbst ist nicht das Problem, entscheidend sind Router oder ATA. Mit sauberem G.711-Passthrough oder T.38 und einem auf 9.600 bit/s begrenzten Gerät kommen die meisten Faxe durch.
Muss ECM bei T.38 ausgeschaltet sein?
Nicht unbedingt. ECM macht vor allem bei G.711-Passthrough Probleme. Handelt Ihre Leitung tatsächlich T.38 aus, lassen Sie es an, machen Sie eine Testreihe und vergleichen Sie mit einer Reihe ohne ECM.
Woran erkenne ich, ob mein Router T.38 unterstützt?
Suchen Sie in den Telefonie-Einstellungen der Router-Oberfläche nach einer Fax- oder T.38-Option. Fehlt sie, fragen Sie den Support Ihres Anbieters: Die Antwort hängt oft von Modell und Firmware ab.